S&P 500 ausführliche Analyse

Ichimoku Kinko Hyo
Ichimoku AnalyseS&P 500 01.05.2020

Auf vielfachen Wunsch eine ausführliche Analyse des S&P 500.
… und nein – wird nicht täglich aktualisiert!

Beginnen wir mit einem Quartalschart.
Bitte beachten: Das aktuelle 2. Quartal 2020 hat gerade eben erst begonnen, die letzte Quartalskerze ist also erst am 30.06.2020 vollständig ausgebildet.

Der S&P 500 wurde erstmals 1957 veröffentlicht. Seither befindet er sich in einem intakten Aufwärtstrend. In diesen Quartalschart ab 1997 ist in Grün eine Projektion eingezeichnet. Der erste Ankerpunkt ist das Tief 2009, der zweite Ankerpunkt ist das Hoch 2011 und der dritte Ankerpunkt ist das Korrekturtief 2011. Ausgehend von dieser grünen Projektion wurden im September 2018 die 262% = 2.917 Punkte erreicht. Mit dem Allzeithoch vom März 2020 wurden die 324% = 3.352 Punkte erreicht.
Anmerkung: die 323,6% berechnen sich über 2 x 161,8%. Sie sind also nicht direkt über ein Ratio hergeleitet, sondern entsprechen zweimal dem goldenen Schnitt.
Das nächste long Kursziel – also nach Beenden der aktuellen Korrektur! – sind damit die 424% = 4.056 Punkte. Wann das ungefähr sein könnte lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt genauso „sicher“ prognostizieren wie: Werden wir 2020 weiße Weihnachten haben? …
Auffällig ist, dass der S&P 500 eine bearische Divergenz mit dem MACD-Histogramm ausgebildet hat. Diese wird erst aufgelöst, wenn das MACD-Histogramm ins Minus abgetaucht und damit einen roten Balken ausbildet.

Der nächste Chart ist ein Monatschart ab 2008 mit Ichimoku Kinko Hyo. Um gleich das Thema Divergenz aufzugreifen: das MACD-Histogramm hat keine Divergenz bezogen auf die letzten beiden Swing Tiefs ausgebildet! Aus dieser Sicht ist die Abwärtsbewegung der letzten drei Monate intakt.
Doch zurück zu Ichimoku: die März Monatskerze hat dem S&P immerhin ein Minus von 12,51% oder -369,63 Punkte beschert und hat sich damit für die Top Ten der schlechtesten Monate qualifiziert. Die lange untere Lunte hat die Monatswolke glatt durchquert. Die Aprilkerze (die letzte Kerze) hat fast genau an der Oberkante der Wolke eröffnet und – bezogen auf den März – eine Inside-Candle ausgebildet. Der Monatsschlusskurs liegt wieder deutlich über der Kerze und auch über Tenkan und Kijun. Die Ichimoku Signale im Monatschart stehen auf 4 x Long und 1 x Neutral (Tenkan = Kijun). Da ist soweit eigentlich alles in Butter …

Und auch der nächste Chart ist ein Monatschart. Hier ist ein möglicher Elliott-Wave-Count ab dem Tief 2009 eingezeichnet. Wie beim DAX auch wurde in den letzten Monaten das Korrekturmuster eines Expanded Flat ausgebildet.
Wenn wir nur die Fibonacci-Kursziele betrachten, wurden alle erforderlichen Bedingungen für ein Expanded Flat erfüllt: Die Welle B hat die 162% Extension der Welle A erreicht (nicht eingezeichnet) und die Welle C hat die 162% der Welle A mit der Lunte erreicht. Und bezogen auf die gesamte Aufwärtsbewegung ab 2009 wurden auch das 38% Retracement erreicht.
Aber auch hier – wie beim DAX – liegt das „Problem“ in der Zeitachse: sind diese zwei schwarzen Kerzen, die dem S&P ein Minus von 35% beschert haben, ausreichend?

Kommen wir nun zum Wochenchart.
Bitte beachten: die Woche ist noch nicht rum, es fehlt noch Freitag, der 1. Mai 2020!
Mit der scharfen Abwärtsbewegung ab Ende Februar ist der S&P innerhalb weniger Wochen durch seine Wochenwolke durchgerauscht. Mit einem Bullish Engulfing wurde die Abwärtsbewegung umgekehrt. In der Zwischenzeit hat der S&P wieder die Oberkante seiner Wochenwolke erreicht. Die letzte Lunte hat sogar etwas drüber gelugt und auch das 62% Retracement (bezogen auf die scharfe Abwärtsbewegung) wieder erreicht. Die Ichimoku Signale im Wochenchart stehen bei 2 x Long, 2 x Neutral und 1 x Short.
Im Wochenchart lässt sich eine Prognose ableiten: schafft der S&P einen Long-Kumo-Breakout und kann damit auch die 62% auf Schlusskursbasis knacken, dann liegt das nächste Kursziel beim 79% Retracement = 3.136 Punkten.

Last but not Least: der Tageschart.
Der S&P notiert über seiner Tageswolke, er hat die grünen 100% und die roten 62% erreicht. Die letzte Aufwärtsbewegung wurde allerdings von einer bearischen Divergenz mit dem MACD-Histogramm begleitet. Der 200er SMA ist in Reichweite. Solange sich der S&P also über der Wolke hält wahrt er seine Chance, die grünen 127% = 3.009 Punkte zu erreichen. Dann wurde auch der 200er SMA zurückerobert. Das Cluster rote 79% = 3.136 Punkte / grüne 162% = 3.163 Punkte bietet sich darüber hinaus als nächstes Kursziel an. Werden diese 79% – das ist die last line of defense der Bären – auf Schlusskursbasis dann deutlich übertroffen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass auch das ATH erreicht wird.
Fällt er jedoch unter die kleine Unterstützung bei 2.721 Punkten, dann droht der Short-Kumo-Breakout und die Bullenfalle schnappt zu.
Im Tageschart stehen die Ichimoku Signale bei 4 x Long und 1 x Short.

Zusammenfassung:
Ausgehend von der Arbeitshypothese, dass auch der S&P 500 eine Expanded Flat als Korrekturmuster ausbildet, könnte diese Korrektur – bei ausschließlicher Betrachtung der Preisachse – beendet sein.
Es gibt jedoch drei Pferdefüße: die Zeitachse des Expanded Flat, die grottenschlechten Fundamentaldaten und die miserablen US-Arbeitsmarktdaten.
Doch wie auch beim DAX gilt für den S&P: die Börse läuft der Realwirtschaft in der Regel um 6-9 Monate voraus. Damit wäre die Coronakrise bis Ende des Jahres ausgestanden, es herrscht wieder Friede – Freude – Eierkuchen … und die Wirtschaft brummt wieder. Ob es sich hier um eine Bullenfalle handelt oder tatsächlich um den Beginn eines neuen Aufwärtsimpulses werden die nächsten Tage bis Wochen zeigen. Es ist auf jeden Fall sowohl beim Traden als auch beim Investieren große Vorsicht angebracht.

… hier geht zu zwei Fibonacci-Videos. Einmal Grundlagen und einmal angewendet auf den FDAX mit dem NinjaTrader.

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Die Analyse dient nur zu Ausbildungszwecken und nicht als konkrete Handelsempfehlung. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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